SMU_T_18_Blaumänner #01.001

 

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SIMON MULLAN
BLAUMANN
AUSSTELLUNG: 3. MÄRZ – 14. APRIL 2018
ERÖFFNUNG: FREITAG, 2. MÄRZ, 18–20 UHR

 

DITTRICH & SCHLECHTRIEM freuen sich Ihnen BLAUMANN zu präsentieren, die zweite Einzelausstellung von SIMON MULLAN in Berlin. Sorgfältig abgemessen und realisiert breiten sich die Kunstwerke auf den Wänden der Galerie aus. Anknüpfend an seine vorangende Arbeitsweise, basierend auf schneiden und zusammensetzen von Gebrauchsgegenständen wie Nylonbomberjacken, Porzelankacheln oder Messer Klingen, werden in seiner neuen Serie herkömmliche Blaumänner wiederverwendet.

Die 78 Einheiten eines an der Wand der Galerie angebrachten rechtwinkligen Rasters bestehen aus Bahnen blau gefärbten Baumwollstoffs, die wie Gemälde auf je eigene Rahmen gespannt sind. Was auf den ersten Eindruck einheitlich wirkt, offenbart bei näherer Betrachtung ein Spiel der Unterschiede – die Monochromatik des Ensembles ist nur das Thema, das den Variationen in den einzelnen Elementen zugrunde liegt. Jede Leinwand ist ein Patchwork aus unregelmäßig ausgeschnittenen Stücken gebrauchter Blaumänner (manche sind ausgebleicht und abgewetzt, andere sehen ungetragen aus), auf denen sich Spuren ihres früheren Einsatzes abzeichnen. Die schmutzige Schmierspur, die über eine Bildfläche verläuft, oder die ausgebeulte Stelle, die mal ein Knie gewesen sein muss, lassen die beschauliche Kunstbetrachtung wie die berühmte Reibungslosigkeit des Digitalen über ein analoges Signal moderner gesellschaftlicher Identität stolpern, das ein Überbleibsel aus einem anderen Jahrhundert überträgt – eines, das auf der angeblichen‚ Gewinnerseite‘ der digitalen Spaltung der Gesellschaft mittlerweile vom Aussterben bedroht ist.

Mullan kauft die gebrauchte Kleidung von Onlinehändlern, von denen einige sich auf die Verwertung von Konkursmassen spezialisiert haben. Jede seiner Leinwände ist aus einem einzelnen Blaumann hergestellt, den der Künstler zerschnitten und so zusammengenäht hat, dass er einen Keilrahmen komplett überspannt. Dieses Verfahren bedeutet einen erheblichen Eingriff in die grundlegende Organisation des gefundenen Gegenstands, der viele seiner Funktionen außer Kraft setzt. Darin ist unschwer eine Parallele zur Rekonfiguration (post)industrieller Strukturen in der neuen Ökonomie erkennbar: Unter dem Banner der‚ Disruption‘ werden ganze gesellschaftliche Topoi (über Nacht) neuen Betriebssystemen unterworfen – interdiszipliniert. Junge Leute, die gerade ins Berufsleben eintreten, mag das einschüchtern. Für ältere Arbeitnehmer klingt es nach betriebsbedingter Kündigung. Aus diesem Blickwinkel ist Mullans Bemerkung, man könne die Installation als ‚eine ganze Belegschaft‘ betrachten, ‚die einen anstarrt‘, nicht ohne ein gewisses Pathos. Handelt es sich um ein Porträt der Vergangenheit oder einen Ausblick in die Zukunft?

Der vorangehende Auszug ist aus dem Text SOFTWEAR von Nadim Samman, veröffentlich in dem Ausstellungskatalog, käuflich erwerblich durch die  Galerie. Bitte kontaktieren Sie Nils Petersen, nils(at)dittrich-schlechtriem.com, für weitere Informationen, Bilder oder andere Anfragen.

Simon Mullan (geb. Kiel, DE / 1981) lebt und arbeitet in Berlin. Mullan studierte Transmedial Art an der Universität für angewandte Kunst, Wien und Video Art an der Königlichen Hochschule für Künste, Stockholm. Seine Arbeiten wurden in internationalen Einzelausstellungen in London, Stockholm und Berlin ausgestellt und kürzlich auf der von Power Ekroth kuratierten OFF Biennale / Kairo, Ägypten gezeigt. Zusätzlich gibt es ortsbezogene Installationen in der Haubrok Foundation und der Kantine im Berghain sowie Videoprojekte erworben durch die Kunsthalle Wien.

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SIMON MULLAN
BLAUMANN
EXHIBITION: 03 MARCH – 14 APRIL 2018
OPENING: FRIDAY, 02 MARCH / 6 – 8 PM

DITTRICH & SCHLECHTRIEM is pleased to present BLAUMANN, the second solo show in Berlin of gallery artist SIMON MULLAN. Meticulously measured and executed, the installation of paintings spans all four walls of the main gallery. Building on his recognized practice of cut and composed utilitarian materials, varying from nylon bomber jackets to porcelain wall tiles and metal blades, the new series, on view in it’s entirety, is composed of re-presentations of standard issue Blaumann overalls.

Mounted on the gallery wall is a rectangular grid whose 78 units are made up of blue-dyed cotton, stretched over subframes like so many paintings. If this arrangement immediately gives off a unified impression, further attention uncovers a play of differences—the ensemble’s monochrome merely a theme underpinning variations across individual elements. Each canvas is a patchwork, comprising irregular cut-off pieces from second-hand work overalls (some faded and worn, others fresh) which bear traces of their former use. In the smear of dirt across one plane, or a patch of distress where a knee must have been, both the contemplative function in art and the frictionless shibboleth of the digital run up against modern social identity’s analog signal, transmitting a remainder from another century. One that is, on what is supposed to be the ‘right’ side of the digital divide, fast becoming endangered.

Mullan purchases his used apparel from online marketplaces, some of which wholly trade in items recovered from bankrupt companies. Each of his canvases is made from a single overall, cut up and sewn back together so that it can completely stretch across a subframe. Through this procedure, the fundamental organization of the found object is significantly altered, and many of its prior functions rendered obsolete. It is not too hard to discern a parallel, here, to the new economy’s reconfiguration of the (post)industrial fabric under the celebrated program of ‘disruption’, such that entire social topoi are subject (overnight) to new operating systems: interdisciplined. For young people beginning their working life this can be daunting. For older people it can spell redundancy. In light of this, Mullan’s statement that the installation might be considered ‘a whole company, staring at you’ assumes some pathos. Is it a portrait of the past, or a promise from the future?

The above excerpt is from the essay SOFTWEAR by Nadim Samman, published in the exhibition catalog available through the gallery. Please contact Owen Clements, owen(at)dittrich-schlechtriem.com, for information, images and with any further inquiries.

Simon Mullan (b. Kiel, DE / 1981) currently lives and works in Berlin. Mullan studied Transmedial Art at the University of Applied Arts, Vienna and Video Art at The Royal University College of Fine Art Stockholm. His work has been presented internationally with solo exhibitions in London, Stockholm, Vienna, Beijing and Berlin. Mullan has been included in the OFF Biennale / Cairo, Egypt curated by Power Ekroth, and has site-sepcific installations in the collection of the Haubrok Foundation and Kantine am Berghain, Berlin, and video projects acquired by Kunsthalle Wien.