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DORIAN GAUDIN
MARTIN ROTH
UNTITLEDS
ERÖFFNUNG: FREITAG, 28. OKTOBER, 18 – 20 UHR
AUSSTELLUNG: 29. OKTOBER – 10. DEZEMBER 2016

Lars Dittrich und André Schlechtriem freuen sich, Werke von Dorian Gaudin und Martin Roth zu präsentieren. Die Doppelausstellung UNTITLEDS markiert die erste Präsentation der beiden Künstler mit der Galerie und ist vom 29. Oktober bis zum 10. Dezember zu sehen.

Die in Dialog tretenden Skulpturen und installativen Wandreliefs von Gaudin und Roth beschreiben das mechanische und natürliche Moment, welches sich in Objekten wiederfindet, die real existierende kinetische Performances und zeitliche Projektionen sich entwickelnder biotischer Lebenswelten thematisieren.

Im vorderen Bereich der Galerie zeigt Gaudin (geb. 1986 / Paris, FR) seine großformatige Installation Untitled (2011). Diese wandartige Konstruktion aus Holz und Metall, dessen rotierenden Komponenten durch ein mechanisches Getriebe in Bewegung gehalten werden, durchspielt eine ständige Umwandlung der soliden Wandstruktur hin zu einer dekonstruierten Vermengung von Fragmenten und umgekehrt. Neben dieser Installation zeigt Gaudin neue Wandobjekte aus eloxiertem Aluminium und Beton.

“Formal gesehen stellt diese Serie den Ausgang von Kollisionen zwischen diversen geometrischen und materiellen Syntaxen nach. Zugleich lassen die polierten Metallflächen an bei einem Unfall geborstene Autos oder Flugzeugteile oder an Weltraumschrott denken. Einen Anflug von Symbolik findet man in diesen (Anti-)Kompositionen am ehesten in der Spannung zwischen dem Werden und dem Zerfall materieller Form und in den Grenzen der Lesbarkeit.

Wie die Minimal Art wendet sich Gaudins skulpturale Vorstellungskraft dem wirklichen Raum zu und nicht dem ‘luftleeren‚ ortlosen [transzendentalen] Raum abstrakter Skulptur‘, in dem Kunstwerke ihrem Umfeld oder Kontext beziehungslos gegenüberstehen. Ihr Raum ist der, in dem du und ich uns bewegen. Allerdings ist Gaudins materialistischer Realismus spekulativer angehaucht als die marxistische Variante, von der Donald Judd und andere beeinflusst waren. Über die Beschäftigung mit den Beziehungen zwischen Dingen und Menschen hinaus scheint Gaudin an den Interaktionen zwischen nichtmenschlichen Objekten und anderen nichtmenschlichen Objekten interessiert. Seine Kunst legt den Gedanken nahe, dass solche Operationen im ‚wirklichen‘ Raum auch ohne einen menschlichen Beobachter von Gewicht sind. Er verwirft die minimalistische Sicht auf die Welt nicht so sehr, als er ihren Rahmen in Richtung auf das Posthumane erweitert: ein Maximalismus.“

In einer weiterführenden Reaktion zu Judd und den Beziehungen zu Objekten, hat Roth (geb. 1977 / Graz, AT) zwei ikonische, metallene Stacks-Arbeiten von Donald Judd nachgebildet. Untitled – Donald Judd II (2016), bestehend aus neun gestapelten Objekten und gibt sich zunächst als ein authentisches Werk von Judd aus den späten 1960er Jahren. Wie eine Malerei an der Wand hängend jedoch vom Boden zur Decke aufsteigend wie Leitersprossen gibt sich die „Natur“ der Objekte erst bei genauerem Hinschauen zu erkennen. Die Stacks von Roth fungieren als Lebensraum für Schnecken. Gegenüber der Wand von Gaudin, ist ein einzelner Stack, Untitled – Donald Judd 1 (2015) Nacktschnecken. Der lebende Organismus wird zum Hauptakteur der Werke. Die Schnecken hinterlassen in ihrer kurzlebigen Präsenz Spuren dessen unberechenbare Schatten auf die Wand und den Boden der Galerie geworfen werden.

„Auf den Glasscheiben von Roths Nachbauten von Donald-Judd-Skulpturen kriechen Schnecken durch eine Raumzeit, die man zunächst als die der Kunstgeschichte begreift, und hinterlassen ihre Schleimspuren, versauen alles. Kann man das, was sie da tun, wirklich auf einen Angriff Roths auf Judds Vorliebe für makellose Oberflächen in Form einer sie entheiligenden bio-skulpturalen Geste reduzieren? Vielleicht – aber da die Schnecken einmal da sind, scheint der ‚wirkliche‘ Raum dieses Kunstobjekts – und der seiner Geschichte – nun auch dem Leben und Zeiterleben nichtmenschlicher Akteure anzugehören. Mit anderen Worten, diese Lebewesen sind nicht nur Teil einer künstlerischen Arbeit – sie arbeiten auch. Sie leisten die Arbeit, das Leben von Schnecken zu führen. Psychologisches Erleben kann man ihnen nicht zuschreiben, aber das, was sie zu wollen scheinen, hat offensichtlich nichts mit Minimal Art zu tun, selbst wenn sie körperlich in deren Nachbildung aus Stahl und Glas eingeschlossen sind. Man kann noch nicht einmal sagen, der Minimalismus (oder Roths ‚Kunst‘ schlechthin) sei ihr Terrain. Ihre schmierigen Bahnen auf den Glasscheiben der Skulptur wirken eher wie Spuren ihrer Entfernung von und Indifferenz gegenüber allen menschlichen Plänen – ein Zeichen für die unausgesetzte völlige Gleichgültigkeit, die sie unseren Vorstellungen von den Dingen entgegenbringen.“

Die obigen Textpassagen stammen aus dem ausstellungs-begleitenden Essay Recombinatrix des Kurators und Autoren Nadim Samman. Der komplette Essay ist in dem Katalog-PDF veröffentlicht das anlässlich der Ausstellung von der Galerie erhältlich ist. Bitte kontaktieren Sie Owen Clements, owen(at)dittrich-schlechtriem.com für weitere Informationen oder Anfragen.

Gaudin wird im Februar 2017 eine Einzelausstellung im Palais de Tokyo, Paris eröffnen und im März mit DITTRICH & SCHLECHTRIEM und Nathalie Karg auf der ARMORY SHOW NY / PLATFORM 2017 präsentieren.

Roth zeigt zurzeit eine Installation in „Riptide“, einem Projekt das noch bis zum 11. November im Korean Cultural Center UK (KCCUK), London zu sehen ist. Ebenfalls ist kürzlich ein Künstlerkatalog von Martin Roth bei Black Dog Publishing mit dem Titel „In the fall of 2016, Martin Roth published a selection of works“ erschienen, der in der Galerie erhältlich ist.
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DORIAN GAUDIN
MARTIN ROTH
UNTITLEDS
OPENING: FRIDAY, 28 OCTOBER, 6–8 PM
EXHIBITION: 29 OCTOBER – 10 DECEMBER, 2016

Lars Dittrich and André Schlechtriem are pleased to present the work of Dorian Gaudin and Martin Roth in a dual-artist exhibition UNTITLEDS, marking the first presentation of each artist’s work with the gallery, on view 29 October through 10 December, 2016. The paired sculptures and wall-relief installations of Gaudin and Roth, bracket the mechanical and the natural through objects of implied incident, an existing kinetic performance, and future projections with developing biotic environments.

Within the front of the gallery space, Gaudin (b. 1986 / Paris, FR) has re-installed Untitled (2011), a large-scale, wood and metal wall construction, with multiple moving components, its’s gears constantly reconfiguring the shapes as a solid wall structure from a flaccid floor derangement. Alongside the sculpture, Gaudin premieres several new wall-relief objects of Anodized aluminium and concrete.

“Formally speaking, this series of works performs the outcome of collisions between various geometric and material syntaxes. With their notes of buffed metal, however, they also recall car crash shrapnel, aeroplane fuselage, and space junk. If one parses these (anti)compositions for a hint of symbolism, it appears to obtain in the tension between material becoming and unbecoming, and the limits of legibility.

Gaudin’s monumental installation Untitled (2011) is also concerned with these issues. Comprising a series of wooden blocks that recall rough-hewn bricks, each attached to a mechanical pulley system, the sculpture ‘performs’ a process of collapse and reconstruction.

Like the Minimalists, Gaudin’s sculptural imaginary embraces real space, rather than the rarefied ‘siteless [transcendent] realm of abstract sculpture’ where artworks do not address their surroundings or context. This is the kind of space that you and I walk around in. However, Gaudin’s materialist realism is of a more speculative bent than the Marxian variant which influenced Donald Judd and others. Beyond concern for relations between objects and people, Gaudin seems interested in interactions between non-human objects and other non-human objects. His art suggests that such operations in ‘real’ space do not need a human viewer in order to matter. His is not so much a rejection of the Minimalist worldview, but a post-human widening of its frame—a maximalism.”

In furthering this reaction to Judd and object-relations, Roth (b 1977 / Graz, AT) has recreated two of Donald Judd‘s iconic metal stack works.  Untitled – Donald Judd II (2016), consisting of 9 stacks, poses as an authentic late 60’s Judd Stack. Hung on the wall like a painting but climbing like rungs on a ladder from floor to ceiling like a proper Judd, the “nature” of the object is revealed on further inspection. Roth’s stacks functions as living habitats for slugs. Opposite the opposing Gaudin wall, a single stack, Untitled – Donald Judd 1 (2015), contains snails. The living organisms become the work‘s main actors, with the slugs and snails as ephemeral mark makers whose movements cast unpredictable shadows on the wall and floor of the gallery.

“On the glass panes of Roth’s replica Donald Judd sculptures, snails and slugs ooze their way through what we initially understand as art historical space-time, leaving trails of gunk behind them, messing things up. Can their activity really be boiled down to Roth attacking Judd’s propensity for pristine surfaces, through a profane bio-sculptural gesture? Perhaps, but, qua Gastropods, the ‘real’ space of this art object—and its history—now seems to belong to the life and times of non-humans too. This is to say, these creatures are not just part of an artwork—they are also working. They are working at what snails and slugs do. While we cannot ascribe psychology to them, it seems clear that nothing about what they appear to want has to do with Minimalism—even if they are contained, physically, within its geometric steel and glass analogue. We cannot even say that Minimalism (or Roth’s ‘art’, per se) is their terrain. When one considers the trails left upon the sculpture’s glass panels they appear, rather, as so many traces of the snails’ (in)difference to any human agenda whatsoever—an index of their ongoing, utter disregard for what we think about things.

The above excerpts are from the exhibition essay titled Recombinatrix, by writer/curator Nadim Samman. The complete essay is available in the catalog PDF available from the gallery on the occasion of the exhibition. Please contact Owen Clements, owen(at)dittrich-schlechtriem.com, for information and with any further inquiries.

Gaudin will have a solo-show at the Palais de Tokyo, Paris, opening in February 2017, followed by a presentation in March with DITTRICH & SCHLECHTRIEM and Nathalie Karg at The Armory Show NY / PLATFORM 2017.

Roth is featured in “Riptide”, a project currently on view at the Korean Cultural Centre UK (KCCUK), London, through 11 November, 2016. An artist catalogue has been released through Black Dog Publishing, titled “ In the fall of 2016 Martin Roth published a selection of his works” and is available at the gallery in Berlin.